Zurück zur Querflöte: Wie du nach Verletzung Schwangerschaft oder Krankheit dein Üben neu aufbaust

Zurück zur Querflöte: Wie du nach Verletzung Schwangerschaft oder Krankheit dein Üben neu aufbaust

Nach einer längeren Pause wegen einer Verletzung, Krankheit aber auch nach einer Schwangerschaft und Entbindung kann sich das Querflöte Spielen plötzlich fremd anfühlen. 

Dein Körper ist dir womöglich nicht mehr so vertraut, Bewegungsabläufe, die zuvor automatisiert und fast unbewusst waren, fühlen sich plötzlich fremd und unbeholfen an. Vielleicht fühlt es sich an, als hättest du plötzlich verlernt, wie Atmen, Stehen oder Körperhaltung, Ansatz und Tonbildung funktionieren. Ein bisschen wie in der Pubertät, wenn man plötzlich darüber nachdenkt, wie man wohl beim Gehen oder Reden aussieht und plötzlich unkoordiniert und linkisch wird… 

Es muss nicht so sein, aber vielen geht es dann so oder ähnlich : Die Finger fühlen sich steif an, die Luft fließt nicht so wie gewohnt, der Bauch stockt, deine Lippen sind weniger sensibel, die Zunge lahm und träge und die Flöte ist schwer und vielleicht fragst du dich, ob du jemals wieder zurück zu deiner alten unbeschwerten Spielweise finden wirst.

Keine Panik. Das ist alles normal und braucht lediglich einen sanften, klugen Wiedereinstieg, der sich an deine aktuelle Situation anpasst – ohne Druck, aber mit Klarheit.

Zur Zeit erhole ich mich selbst von einer Operation – und wende also aktiv selbst an, was ich predige. Ich bin schon durch meine drei Schwangerschaften und diverse Verletzungen gewappnet – und habe natürlich auch durch meine SchülerInnen viel gelernt, wenn Operationen, chronische Krankheiten, Verletzungen, Zahnspangen, Piercings oder eben Schwangerschaften einen Einschnitt mit sich bringen.

Im Folgenden eine mögliche Strategie in fünf Schritten, die dir hilft, sicher und mit Freude zur Querflöte zurückzukehren.

1. Basis : Deine Gedanken über dich Selbst

Akzeptanz: Deinen aktuellen Stand oder sogar einen neuen Zustand liebevoll annehmen

Was auch immer der Grund für deine Auszeit und den Wiedereinstieg ist : das Gefühl fehlender Kontrolle oder plötzlich mangelnder Kompetenz kann frustrierend und beängstigend sein. 

Den größten Einfluss hat dabei jedoch die Bedeutung, die du der aktuellen Situation und deinen aktuellen Fähigkeiten gibst und was du über dich selbst denkst. Es macht einen großen Unterschied, welchen Gedanken du mehr “Stoff” und Aufmerksamkeit schenkst oder, um es mit einer Metapher zu sagen, welchen Wolf du fütterst :

PROBIERE FOLGENDE SÄTZE UND GEDANKEN AUS UND NIMM WAHR, WIE SICH JEDER GEDANKE JEWEILS ANFÜHLT :

Es ist nicht ok, ich sollte weiter und besser sein

ich muss schnell wieder fit und leistungsfähig sein

Ich muss meinen SchülerInnen / Kindern (…) ein fittes Vorbild für Leistung  sein

was sollen “die anderen” (?!) denken

es sollte wie früher sein

andere schaffen das doch auch!

Exrtradosis „Drama“ und Destruktivität (kennen wir auch alle) :

Hach! Das wird ja sowieso nüscht mehr! 

es hat im Moment keinen Sinn

ich kann das nicht von mir erwarten

Ich sollte womöglich aufgeben

Oder

/ VS

Aha!

So ist das jetzt also im Moment

Mein Körper hat viel geleistet und verdient Zeit, Aufmerksamkeit und Heilung

Ich bin ein Vorbild für einen nährenden Umgang mit sich selbst

Ich weiß, was ich brauche

Andere dürfen denken, was sie wollen und sich irren

Ich tue, was ich liebe und was mir gut tut

Ich erwarte von mir selbst, dass ich mir und meinen Zielen Aufmerksamkeit und Zuwendung schenke und das tue und lerne, was ich jetzt brauche

 

Probiere gern noch viele weitere mögliche Gedanken aus. 

Deine Gedanken könnten ähnlich oder ganz anders sein – wichtig ist, dass du deine Gedanken und ihre Wirkung auf dich beobachten und bewusst zu deinen Gunsten verändern kannst. Das ist die Basis. 

Es macht einen Unterschied, ob du dich verurteilst, hektisch antreibst, aufgibst, oder ob du liebevoll mit dem arbeitest, was du hast und bist.

Balance zwischen Überforderung und Unterforderung entwickeln

Du musst nicht dort weitermachen, wo du aufgehört hast, sondern kannst jederzeit einen neuen Zugang finden, der zu deinem Körper, deiner jeweils aktuellen Energie und deinen Bedürfnissen passt.

2. Flow und Routinen: neue Gewohnheiten bilden

Dein erster Impuls ist vermutlich, nach dem vertrauten Gefühl von Flow und Routinen in deiner Übe Praxis zu suchen. Du möchtest vielleicht wie immer deine liebsten Ton- und Technik Übungen abhaken und dann zu Etuden und Repertoire wechseln und machst aber vielleicht schon nach kurzer Zeit erschrocken schlapp.

Deine bisherigen Erfahrungen haben vielleicht Erwartungen in dir geweckt, die im Moment erstmal zu Überforderungen führen können.

Dein Körper und dein Nervensystem dürfen sich neu an die Haltung und an das Querflöte Spielen gewöhnen.

  • Kurze, entspannte Einheiten: begrenze dich mit einem Timer auf 5 bis 10 Minuten und begreife Pause undHinspüren als gleichwertig 
  • Gezielte Übungen: Wähle “alte” oder, noch besser,  unbekannte kleine kurze Übungen und Abschnitte zum Beispiel aus Querflötenschulen für Anfänger, um Technik und Klang ohne Stress wiederzuentdecken.
  • Überforderung vermeiden: Nimm jeweils nur EINEN Aspekt deines Körpers oder EIN Übeziel in den Fokus. Zum Beispiel: Wahrnehmen der Muskulatur des Rumpfes beim Einnehmen der Querflötenhaltung und Atmung – was du dann wahrnimmst, als Information betrachten

Bei Schmerzen oder Erschöpfung sind Pausen und eine Reduzierung der Intensität selbstverständlich – natürlich in einem gewissen Rahmen : 

2. Flow und Routinen: neue Gewohnheiten bilden

Balance zwischen Überforderung und Unterforderung entwickeln

3. Kraft, Flexibilität und Resonanzfähigkeit unterstützen:
Deinen Körper einbeziehen

Gerade bei der Querflöte macht sich jede Veränderung deiner Körperspannung, deine Befindlichkeiten und sogar deine Zyklusphase oder eine Schwangerschaft im Klang bemerkbar. Ich war beeindruckt von meinem anderen Sound während meiner ersten Schwangerschaft und höre auch bei meinen SchülerInnen Veränderungen und war manchmal aus diesem Grund die erste, die von einer Schwangerschaft erfuhr- schön, oder?!

Wir haben nur unser Metallrohr und sorgen selbst für die Resonanz durch die Form unseres Mundraumes, die Stellung der Zunge, die Öffnung des Kiefers und durch jedes zu viel oder zu wenig im Körpertonus.

Gerade nach Verletzungen oder einer längeren Pause kann es sein, dass dein Körper sich anders anfühlt. Schultern, Rücken oder Arme können verspannt sein, vielleicht bist du auch angespannt, um Schmerzen zu vermeiden oder weil Muskeln plötzlich anders arbeiten, deine Finger sind vielleicht weniger beweglich oder koordiniert. Deshalb ist es wichtig, gezielt mit deinem Körper zu arbeiten.

3. Kraft, Flexibilität und Resonanzfähigkeit unterstützen: Deinen Körper einbeziehen

Training und Körperarbeit als Bestandteil deiner Übe Praxis

 

  • Vorbereitung für Schultern, Hände und Arme. Lockern, Kreisen, sanftes Dehnen, bewusste Bewegung vor dem Spielen – kennen wir alle, 1000 Mal gehört, aber wirklich machen hilft auch wirklich
  • Sanftes Krafttraining : Ideal sind Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Die Übungen müssen nicht Querflöten- spezifisch sein. Deine Gesamtverfassung stärken, an deiner Flexibilität und Kondition arbeiten, ohne dich zu überfordern kann sinnvoll mit zu deinem Üben gehören.
  • Balance und die Arbeit mit den (Körper-) Schwerpunkten – das kannst du durch bestimmte Yogaübungen aber auch mit speziellen Hilfsmitteln erreichen. Auch wie sich das Verhältnis durch die Asymmetrie der Querflöte ändert und wie der Ausgleich stattfindet ist eine wichtige Information für dich. Das führt auch gleich zum nächsten Punkt : 
  • Symmetrie : ich persönlich weiß  Yoga aus vielen Gründen sehr zu schätzen, unter anderem auch, weil bei vielen Übungen und Abläufen ein Vergleich der Körperseiten und damit auch die urteilsfreie Wahrnehmung der Unterschiede möglich und ein behutsamer Ausgleich durch Anpassungen und Bewusstsein möglich ist.   
  • Bewegung und Tempo : Neben Yoga tragen viele Methoden, Schulen und Denkansätze aus Feldenkrais und Alexander-Technik, aber auch Bodymapping und Talim, Iyengar und Pilates dazu bei, dass Bewegungen mit Bewusstsein ausgeführt werden. Überflüssige Bewegungen, Spannungen und “Beteiligung”,  wie zum Beispiel Stirnrunzeln beim  Ansetzen der Flöte, Hochziehen oder unnatürliches “Festtackern” der Schultern,  angespannte Bauchmuskeln oder eingezogener Bauch beim Atmen und mehr wird durch Zeitlupen Bewegung gut erkannt und kann “neu gelernt” werden.  Auch Bewegungen SCHNELLER auszuführen – mehr Tempo bei Ein- oder Ausatmung oder das flinkere kontrollierte Finger Heben – kann einen sinnvollen Trainingseffekt haben.

4. Musikalische Freude und Klang: Ausdruck und Neugier statt Perfektion

So verlockend es auch ist, sofort nach dem vertrauten “perfekten” Klang, dem “idealen” Körpergefühl oder dem „richtig Spielen“ zu suchen, entscheide dich, mindestens eine Zeit lang, NEUGIER und „Anfängergeist“ oder auch das sogenannte “Beginners Mindset” zum Verbündeten zu machen.

Für Inspiration und Neugier:

  • Stücke wählen, die dich berühren, Die dein Herz ansprechen – oder aber die du seltsam fremd findest, vertrautes oder unvertrautes.
  • Dynamik und Klangfarben erkunden. Spiele eine Melodie mit verschiedenen Klangqualitäten. Türkis. Silber. Fluffig. Affektiert

Improvisation. Lass einfach Töne oder Geräusche fließen, ohne Noten, ohne Plan – oder aber mit kleinen Herausforderungen wie abwechselnd lange und kurze Töne. Oder “wie der Bolero” oder “wie ein gregorianischer Choral”

5. Dranbleiben: Motivation und Langzeitstrategie

Der Schlüssel ist eine realistische aber dennoch motivierende Planung und das Schaffen einer an deine Situation angepasste Routine, die dich nicht überfordert und ausbrennt, sondern inspiriert.

Denkbare Überlegungen für deine Übe Praxis :

  • Routinen sanft etablieren. Beginne bei Bedarf mit winzigen Schritten wie 5 Minütchen und dann einer Balance Übung
  • Klare Ziele = klare Ergebnisse. Deine Ziele dürfen zu Beginn gern klein, müssen allerdings dennoch motivierend genug, messbar und realistisch erreichbar sein. Etabliere regelmäßige Check Ins mit dir selbst zur Reflexion und Neu- Ausrichtung
  • Verknüpfung: Falls du dich an einen bestimmte Ablauf gewöhnt hattest, finde eine ähnliche Struktur und ersetze das, was aktuell nicht möglich ist durch sinnvolle Alternativen. Auch die Verknüpfung zu einer bereits bestehenden Gewohnheit (Zähne putzen oder Morgenseiten) kann hilfreich sein
  • Fortschritte feiern. Schreib auf, was sich verbessert hat, und feiere kleine Erfolge. Dadurch sorgst du selbst für die Festigung und Stabilisierung von neuen Hirn Verbindungen und Gewohnheiten und kannst sogar deine “Chemie” positiv verändern

Welche Strategien haben sich bei Dir bewährt? Was fühlt sich unterstützend und motivierend an? 

Wenn du aktiv Einfluss auf deine Motivation, Inspiration und deinen Fokus nehmen willst und dabei meine Unterstützung möchtest, bin ich gern mit meinem Angebot Querflöte mal 3 – individuell und intensiv für Dich da. ✨

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